Durch Fragen zur Erkenntnis

Jede Problemstellung bringt eine Individualität mit sich, welche einen statischen Lösungsansatz verhindert. Eine große Vielfalt an Methoden und Flexibilität ist daher notwendig, um eine erfolgreiche Problembehandlung zu gewährleisten. Der Weg von X ist reaktionär und passt sich der jeweiligen Situation vor Ort an, um diese bestmöglich zu bewältigen.

Die Herausforderung einer pluralistischen Gesellschaft besteht darin, unterschiedliche Meinungen, Überzeugungen und Ansichten zu vereinen, ohne ihr grundlegendes Prinzip einer offenen demokratischen Grundordnung zu verleugnen. Es bedarf außerordentlicher Empathie und Bereitschaft, sich auf fremde Realitäten einzulassen, um Toleranz oder im besten Fall Verständnis für sein Gegenüber zu entwickeln. Der Weg von X hat den Anspruch, diese Werte nicht nur im Rezipienten zu etablieren, sondern bringt sie als Grundhaltung mit in das Gespräch.

Durch Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt, sowie der Begegnung konträrer Modelle, können konventionelle Denkmuster im Kontext der eigenen (sub)kulturellen Zugehörigkeit aufgebrochen und reflektiert werden. Dies ist der Grundstein, um Ablehnungen gegenüber fremden Idealen und Wertvorstellungen entgegenzuwirken und damit die Tür zur Erkenntnis von potenziellen Gemeinsamkeiten zu öffnen.

Der nachhaltigste Weg zur Veränderung ist keiner, der uns von außen vorgegeben werden kann, sondern viel mehr jener, den wir selbst uns selbst erarbeiten. Der Weg von X belehrt niemanden über Recht und Unrecht, sondern möchte durch kritische Konfrontation Impulse setzen, welche den Teilnehmenden zu neuen Erkenntnissen verhelfen. Hierfür setzt das Konzept auf bewährte Gesprächstechniken, wie dem sokratischen Dialog. Gemeint ist, dass man einer Person zu einer Erkenntnis verhilft, indem man sie durch geeignete Fragestellung dazu veranlasst, den betreffenden Sachverhalt selbst herauszufinden. Dabei wird stets darauf geachtet, das Gesagte weder zu bewerten, noch moralisch einzuordnen. Viel mehr sollen die Äußerungen urteilsfrei in einem sicheren Raum geäußert werden können, um zu einem interaktiven Diskurs anzuregen.

Eine offene Haltung spielt hierbei eine große Rolle. Die Bereitschaft, die eigene Realität ebenso infrage zu stellen, signalisiert Augenhöhe. Ebenso das Zurückgreifen auf eigene Erfahrungswerte. Hierfür eignet sich das in der Militärstrategie bewährte Schäferhund-Modell.

„Schäferhunde schützen die Schafherde vor den Wölfen, indem sie sowohl Elemente der Schafe als auch der Wölfe in sich vereinen. Sie sind anderen gegenüber einfühlsam und doch verstehen sie Gewalt und Aggression.“

Dave Grossman

Schafe, Wölfe und Schäferhunde

Das Schäferhund-Modell teilt die Beteiligten eines Konfliktes in drei Parteien auf:

Die Schafe (Die Betroffenen)
Die Wölfe (Die Verursachenden)
Die Schäferhunde (Die Vermittelnden)

Der Referent nimmt die Rolle des Schäferhundes ein und nutzt autobiografische Erfahrungswerte mit Gewalt und Aggressionen, um einen empathischen Zugang zur verursachenden Seite aufzubauen. Dies ermöglicht es, gemeinsam auf Augenhöhe zu reflektieren, statt die Situation der Verursachenden nur von außen zu betrachten. Auf einer Ebene angekommen, können gemeinsam neue Gedanken entwickelt werden, die dazu führen, das eigene Weltbild zu überdenken.

„Life imitates art“

Um den Alltag zu durchbrechen und die gemeinsame Erfahrung besonders einprägsam zur gestalten, arbeitet das Konzept mit interaktiven Methoden. Besonders zu erwähnen sei hier das Forumtheater, eine Form der Theaterpädagogik, erfunden und initiiert durch den brasilianischen Theaterregisseur Augusto Boal, welches Konflikte in Form kurzer Rollenspiele auf die Bühne holt, um sie dort mithilfe des Publikums zu analysieren und gemeinsam zu lösen. Durch spielerische Ansätze wie diesen, können künstlerische Erkenntnisse gesammelt werden, die auf ähnliche und reale Situationen aus dem Alltag implementiert und angewandt werden können.

Auch helfen sie dabei, eine möglichst lockere und zwanglose Atmosphäre für die Gemeinschaft herzustellen. Verbunden mit dem Peer-Ansatz wird der sichere Raum, der sogenannte „Safe Space“, etabliert, in dem sich die Teilnehmenden offen und ohne Bedenken über ihre wahren Ansichten und Meinungen zu behandelten Themen austauschen können.

Kein Weg als Weg

Dies sind nur einige der vielen Methoden, die beim Weg von X zum Einsatz kommen. Wichtig zu erwähnen ist der in seinem Ursprung formlose Kern des Konzeptes. Einzelne Methoden mögen angewandt oder in Teilen implementiert werden, stellen jedoch nie eine allgemein gültige Richtlinie dar. Der Weg von X unterscheidet sich von anderen Handlungskonzepten, in dem er mit allem bricht, was klassische Konzepte ausmacht. Er ist mehr Philosophie als Konzept. Er ist eine Art zu leben, zu denken und zu handeln. Initiiert von außen und geformt von innen. Kein Weg als Weg. Formlos, flexibel und durch niemanden bestimmt, außer durch einen selbst.